Die Ich-Zustands-Therapie ist ein sehr wirksamer psychotherapeutischer Ansatz, der mit verschiedenen Aspekten der Persönlichkeit arbeitet. Diese Unterpersönlichkeiten werden als Ich-Zustände bezeichnet (Ego State).

Ego State Therapie wurde von den Amerikanern John Watkins und Helen Watkins 1980 entwickelt.

Seine Frau war Psychologin und er war Professor für Psychologie, Direktor der Universität Montana (USA), Mitbegründer der Internationalen Gesellschaft für Klinische und Experimentelle Hypnose (SCEH). Er zählt zu den Pionieren der Hypnotherapie.

In der Ich-Zustands-Therapie ist unsere Persönlichkeit ein Ganzes. Es setzt sich aus verschiedenen Ich-Zuständen zusammen.

Ein Ich-Zustand entsteht aus Verhaltensweisen und Erfahrungen. Ein organisiertes System, welches auf Elemente wie Alter, Situation, Funktion, Bedürfnis, Zeitraum und Empfindungen basiert. Die verschiedenen Ich-Zustände funktionieren als Systeme von Ich-Energien, die für jeden von ihnen eine passende Funktion erfüllen. Sie sind durch unterschiedlich starke Dissoziation von den Anderen getrennt.

In der Ich-Zustands-Therapie gehen wir davon aus, dass Leiden und Symptome entstehen. Das geschieht, wenn die Ich-Zustände in Schmerz, Trauma, Angst und Zorn eingefroren sind.

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Durchführung der Ich-Zustand-Therapie

Der Therapeut hört dem Patienten nicht einfach nur zu, sondern agiert im Sinne der ganzheitlichen und systemischen Vision. Er wird direkt oder indirekt, verbal oder nonverbal mit jedem betroffenen Element Kontakt aufnehmen. Er arbeitet im Dienste des Individuums als Ganzes.

Aber indem er spezifisch auch mit bestimmten Zuständen des Selbst arbeitet (fixiert, destruktiv, bösartig, schändlich, archaisch usw.), erlaubt er dem Individuum sich wieder neu zu organisieren. In der Gesamtheit entsteht eine emotionale Erfahrung. Die Veränderung vollzieht sich auf der Ebene jedes Zustands des Selbst und auf der Ebene der gesamten Persönlichkeit gleichermaßen.

Die Ich-Zustands-Therapie unterstützt eine integrative und ganzheitliche Logik. Sie integriert zahlreiche Techniken aus der Psychoanalyse, der systemischen Analyse, der Transaktionsanalyse, der Erickson’schen Hypnose, der Gestalt- und Individual-, Familien- und Gruppenvisionen.

Ich Zustand, Weinende, Frau vor dem-Spiegel, pexels-(Polina Zimmerman)

Quelle: pexels (Polina Zimmerman)


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Das verfolgte Ziel in der Ich-Zustand-Therapie

Das Ziel der Ich-Zustands-Therapie ist Integration. Die verschiedenen Ich-Zustände, die die Persönlichkeit eines Menschen ausmachen, sollen in harmonischen Beziehungen zueinander existieren. Dies kann durch die Lösung von Konflikten zwischen verschiedenen Ich-Zuständen erreicht werden, aber auch durch die Verbesserung ihrer Kommunikation. Meistens geschieht das durch die Förderung einer Dynamik der respektvollen, ausgewogenen und gerechten Zusammenarbeit.

Indikationen in der Ich-Zustand-Therapie

Die Ich-Zustands-Therapie eignet sich für ein breites Spektrum von Behandlungen und Symptomen. Es wurde in erster Linie zur Begleitung von Traumata und posttraumatischen Belastungszuständen entwickelt. Heute wird sie als besonders effizient bei der Behandlung und Begleitung vieler anderer pathologischen Symptomen anerkannt. Dazu gehören Angststörungen, Phobien, Tics, TAG, akute Belastungsstörungen, Chronische Schmerzen, Stimmungsstörungen (depressive Störungen, manische Störungen, bipolare Störungen), auch Süchte (Alkohol, Cannabis, Heroin, Anorexie, Bulimie…) und vor allem alle Symptome, die aus dissoziativen Zuständen resultieren.

Das Ich-Zustands-Modell kann auch in einer Perspektive der Entwicklung und Stabilisierung von Ressourcen während einer Therapie gesehen werden oder in vielen anderen Kontexten eingesetzt werden: Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, Optimierung der Leistungsfähigkeit am Arbeitsplatz, Unterstützung von Spitzensportlern, Arbeit mit Paaren, während Schwangerschaft und Geburt oder bei Trauerprozessen.

Ich Zustand, Zwei Frauen liegen im Gras, pexels (Rendy Maulana Yusup)

Quelle: pexels (Rendy Maulana Yusup)

Ego-State Präsentation des Ichs

Ich Zustände sind ursprüngliche und einzigartige Schöpfungen der Persönlichkeit. Sie entstehen im Laufe unseres Lebens. Diese Ich-Zustände entwickeln sich auf natürliche Weise aus den Mechanismen der Identifikation, Aufnahme und Verinnerlichung. Sie entwickeln sich als Abwehrmechanismus, während einer traumatischen Erfahrung.

Jeder Ich-Zustand hat seine eigenen Affekte, seine eigenen körperlichen Empfindungen, seine eigenen Phantasien und Träume, seine eigenen Erinnerungen, seine eigenen Bedürfnisse und sein eigenes Verhalten. Jeder Ich-Zustand ist durch eine Identität, ein Alter, einen kognitiven und affektiven Reifegrad und spezifische Überzeugungen und Werte gekennzeichnet. Die Werte in denen sich das Individuum unterscheidet und potenziell mit ihnen in Konflikt stehen kann.

Das Ego State besagt, dass das Miteinander innerhalb des Individuums, dem Zusammenleben von Mitgliedern einer Familie ähnelt. Im besten Fall tauschen sie Informationen aus, kommunizieren kreativ miteinander, verfolgen gemeinsame Ziele und Visionen, teilen die gleichen Werte. Ganz anders verhält es sich, wenn die Ich-Zustände keine Übereinstimmung finden, nicht miteinander kommunizieren, nicht ausreichend kooperieren, sich gegenseitig angreifen oder sogar versuchen, sich gegenseitig zu zerstören. Dies führt zu Spannungen und somatischen Manifestationen.

Ich-Zustände können in Erscheinung treten als

Funktionaler Ich-Zustand

Dieser Ich-Zustand kennt und kann in Harmonie mit den anderen Ich-Zuständen und auch mit der gesamten Persönlichkeit kommunizieren und handeln. Die Person handelt spielerisch und geht mit stressigen und komplexen Situationen auf flüssige und kreative Weise um.

Ich-Zustand des kranken Egos

Dieser Ich-Zustand wird von negativen, emotionalen und sensorischen Erfahrungen überwältigt und kann keine harmonischen funktionalen Beziehungen zu anderen Ich-Zuständen oder zur gesamten Persönlichkeit mehr herstellen und aufrechterhalten. Die Person erlebt dann ein Gefühl des Kontrollverlustes in Stresssituationen.

Ich-Zustand steckt in der Vergangenheit fest

Dieser Ich-Zustand bleibt in einer in der Kindheit erlernten Rolle stecken, ohne die heutige Situation zu berücksichtigen und ohne die Fähigkeiten und das Lernen zu nutzen, die im Individuum zurzeit zur Verfügung stehen. Dieser Ich-Zustand wird gegen die anderen Ich-Zustände vorgehen. Er kann nicht in disharmonischer Weise mit den Anderen zusammenleben.

Ich-Zustand im Konflikt

Dieser Ich-Zustand tritt in direkten und sichtbaren oder indirekten und verdeckten Konflikt mit einem oder mehreren anderen Ich-Zuständen. Dies führt zu innerer Desorganisation, ineffektiven Schutzstrategien und mehr oder weniger extremen intrapsychischen Spannungen. Diese führen zur Konstitution verschiedener Persönlichkeitsstörungen oder anderen psychischen Erkrankungen.

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Quelle Beitragsbild: Pexels (Andrea Piacquadio)