Hochsensibel, hypersensibel oder überempfindlich? Haben Sie den Eindruck, dass sie alles um sich herum wahrnehmen? Sie sind sehr empathisch, fühlen und nehmen alles wahr. Sie sehen alles in einer viel höheren und intensiveren Weise als die meisten Menschen? Empfinden die meisten Menschen anders? Werden die Reize unserer Umwelt doch unterschiedlich stark erlebt?  Wie hoch ist die Zahl der Bevölkerung die hochsensibel ist?

Unsere fünf Sinne für „hochsensibel“

Wie nehme ich meine Umgebung visuell, auditiv, olfaktorisch, gustatorisch, haptisch oder taktil wahr? Bei einer gesunden Entwicklung meine Sinnesorgane sehe, höre, rieche, schmecke und ertaste ich meine Umwelt. Die Wahrnehmung von unseren einzelnen Kanälen fließt im Gehirn zusammen. Die Intensität des Erlebens ist hier gefragt. Wenn wir die Wahrnehmungskanäle vom subjektiven Kontext des Erlebens betrachten ist sie individuell und einzigartig.

In unserer scheinbar schneller drehenden Welt, beobachtet man eine rasante Entwicklung der Menschheit. Es ist kein Wunder, dass die Evolution nicht Schritt halten kann und unsere Wahrnehmungssysteme Alarm schlagen. Der neue Wissenschaftszweig der Epigenetik lehrt uns, wie stark unsere Gene den Umwelteinfluss unterliegen und der Wandel unseres Genoms ist nachgewiesen.

Das Thema der hohen Umweltsensibilität ist nicht neu. Die ökologische Psychologie untersucht seit Jahren, wie wir mit unserer nächsten Umgebung umgehen. Bei dieser Interaktion werden unser Organismus, unser Geist und unsere Kultur berücksichtigt.

Hochsensibel ein Persönlichkeitsmerkmal

Die Psychologin Elaine N Aron hat sich mit dem Thema befasst und seit 1990 erforscht. Sie fand heraus, dass ca. 15% bis 20% der US-Bevölkerung betroffen sind. Der von ihr entwickelte Test wurde auch in die deutsche Sprache übersetzt. Auch weiterhin wird geforscht, was für Auswirkung dieses Merkmal auf die Person und seine Entwicklung hat.

Merkmale der Hypersensibilität

Die Überempfindlichkeit gegen Geräusche und Lärm hindert mich daran, mich zu konzentrieren und zu denken. Menschenansammlungen sind unerträglich und es kommt oft zu Überforderung. Das Gefühl des Hungers ist unerträglich sowie jeglicher Schmerz. Bestimmte Materialien auf der Haut oder Kleidungsetiketten machen mich wahnsinnig. Textilien wie Wolle oder Kleidungsetiketten jucken und sind einfach unangenehm. Streicheleinheiten und Massagen werden intensiv empfunden. Ich bin sehr berührungsempfindlich. In ungestörter Umgebung ist eine hohe Konzentrationsfähigkeit gegeben und hochgradige Lichtempfindlichkeit, die zu Unbehagen führt ist gehäuft. Eine Neigung zur Lebensmittelüberempfindlichkeit und Heuschnupfen wird häufig festgestellt. Eine empfundene Ungerechtigkeit führt zu Entrüstung. Es wird jedes Gefühl analysiert, es muss verstanden und erklärt werden. Die Sinnhaftigkeit wird geprüft.

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Quelle: Pixabay (Rondell Melling)

Informationen zirkulieren sehr schnell, was den Hypersensiblen hyperreaktiv macht, er reagiert auf alle Reize, ohne wirklich zu filtern.

Das Gefühl anders zu sein und nicht der Norm entsprechen zu können oder zu wollen.

Eine ausgeprägte Kreativität mit der tiefen Sehnsucht etwas in die Welt bringen zu wollen und das Bedürfnis neue Dinge lernen zu wollen.

Hochsensible Menschen nehmen ihre Umwelt verstärkt wahr

Er „sieht“ alles, „hört“ alles, fühlt alles. Was manchmal schwierig zu handhaben sein kann ermöglicht sehr intensive Erfahrungen

Eine große Menge an Ideen, Worte, Informationen und Wahrnehmungen durchfluten ihn.

Er reagiert empfindlich auf Stimmungen in seiner Umgebung. Konflikte, Spannungen und psychologische Probleme der anderen Menschen beeinflussen ihn stark, auch wenn er nicht verantwortlich oder unmittelbar betroffen dafür ist.

Die Empathie und Hypersensibilität

Äußerst einfühlsam ist der Mensch mit Hypersensibilität. Er hat die Fähigkeit, sich in die Lage der anderen hineinzuversetzen und ihr Leid zu spüren. Die Gefühle und Emotionen von anderen und die Eigenen können überwältigend erlebt werden. Diese starke Beeinflussbarkeit durch Andere kann sehr belastend erlebt werden, da alles sehr stark erlebt wird. Emotionen nehmen im Leben viel Raum ein. Überwältigt von der Trauer, Freude oder Wut kann es vom Lachen fließend zu Tränen übergehen.

Durch den langen Nachklang der Emotionen, kann sich ein übermäßiges Harmoniebedürfnis einstellen. Die ausgeprägte Empathie fördert den Gerechtigkeitssinn.

Nicht nur die der äußere Welt wird intensiv gefühlt, sondern auch die innere Wahrnehmung wird stark erlebt. Man kann durchaus behaupten, dass sie auf eine reiche Fantasiewelt zugreifen können.

Menschen die viel auf der emotionalen Seite leben, brauchen Liebe und Zuneigung. Sie haben ein großes Gefühl für Eigenverantwortung und sind freiheitsliebend. Mit starren Strukturen, Stress bzw. Leistungsdruck können sie schlecht umgehen. Oft ist eine Neigung zum Perfektionismus zu beobachten.

Epigenetik und Überempfindlichkeit

Überempfindlichkeit scheint angeboren und genetisch bedingt zu sein. Vermutlich haben Hypersensible ein empfindlicheres Nervensystem mit in die Wiege gelegt bekommen.

Wird man so „geboren“ auf innere und äußere Reize stark zu reagieren oder nicht?

Überempfindlich- Hypersensible-Hände-Pixabay (andreas160578)

Quelle: Pixabay (andreas160578)

Im Überreizungssog der Hochsensibelität

Wie kann ich mein hoch erregbares autonomes Nervensystem ausbalancieren?

Gelassenheit für den Alltag trainieren und bei drohender Überreaktion entgegenwirken.

Die Antwort liegt nicht im Außen, sondern in uns. Es geht darum, die Auswirkungen dieser Reize auf unseren Geist und Körper zu minimieren. Wie mit der Überempfindlichkeit umgehen? Daher gibt es nichts Besseres, als an unserer emotionalen und sensorischen Immunität zu arbeiten.

Den Stressor identifizieren. Überlegen, wie Sie entgegenwirken können. Bei Lichtempfindlichkeit können Sie zur Sonnenbrille greifen. Ist der Lärmpegel hoch, kann ein Kopfhörer mit der Lieblingsmusik abhelfen.

Entspannungs- und Aufmerksamkeitstechniken erlernen, um diese in entsprechenden Situationen anwenden zu können. Momente der Ruhe in den Tagesablauf integrieren. In regelmäßigen Abständen den Reizpegel herunterfahren z.B. Spazieren oder an einem ruhigen Ort meditieren.

Um eine emotionale Ansteckung zu vermeiden, lenken wir den Fokus auf uns selbst. Wir werden unseren eigenen Emotionen bewusst und grenzen uns in einem gesunden Maß ab. Wir konzentrieren uns auf unsere eigene psychische Verfassung.

Wir lassen uns in einen Ozean der Ruhe umgeben und richten uns einen angemessenen persönlichen Reizfilter ein,  um eine gesunde Abschirmung auf lange Sicht zu halten.

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Quelle Beitragsbild: Pexels-auf-Pixabay