Die Initialen EMDR stehen für Eye Movement Desenensitization and Reprocessing, d.h. die Desensibilisierung und Wiederaufbereitung durch Augenbewegungen.

In der Tat verwendet die EMDR-Therapie eine bilaterale (zwei Seiten betreffende) sensorische Stimulation des Gehirns rechts und links. Durch diesen hervorgerufenen, in rhythmischem Wechsel erfolgten Reiz der linken und rechten Gehirnhälften erfolgt eine emotionale Ablösung von einem belastendem Ereignis.

Vorwiegend wird EMDR mit optischen Reizen durchgeführt. Der Patient folgt den Fingern des Therapeuten, die von rechts nach links vor seinen Augen vorbeilaufen. Auch durch akustische Reize ist eine erfolgreiche bilaterale Stimulation möglich.

Bei manchen Patienten sind taktile Reize für eine Erfolgreich Sitzung erforderlich. Der Therapeut klopft z.B. abwechselnd auf die Knie des Patienten oder auf seinen Handrücken.

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EMDR – Geburtsjahr und Entwicklung

Francine Shapiro Ph.D., eine amerikanische Psychologin aus Kalifornien, entwickelte 1987 diese Eye Movement Desenensitization and Reprocessing Methode.

Sie fand heraus wie einfach es ist, einen komplexen neuropsychologischen Mechanismus zu stimulieren. So können wir an den Ursprung verschiedener, auch sehr behindernder Symptome ansetzen. Unverdaute oder traumatische Erfahrungen werden entschärft.

Auf diese Weise können posttraumatische Nachwirkungen auch nach vielen Jahren behandelt werden.

EMDR, Gehirn, Äste, Pixabay (Gordon Johnson)

Quelle: Pixabay (Gordon-Johnson)

EMDR – Therapie wurde sach- und fachgerecht untersucht und bewertet

Seit fast 30 Jahren hat die EMDR-Therapie ihre Wirksamkeit durch zahlreiche, kontrollierte, wissenschaftliche Studien bewiesen. Sie wurden von Forschern und Klinikern auf der ganzen Welt durchgeführt. Sie ist vor allem für die posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) validiert worden.

Die EMDR-Therapie wird von nationalen und internationalen Behörden anerkannt.

Der deutsche, wissenschaftliche Beirat für Psychotherapie hat sie 2006 für eine der wirksamsten Therapiemethode für den Bereich PTBS anerkannt.

Die Weltgesundheitsorganisation hat EMDR 2013 als eine der beiden wirksamen Methoden bei PTBS, im Bereich Erwachsenen, Kindern und Jugendlichen ebenfalls anerkannt.

Oft steht PTBS in Zusammenhang mit anderen Komorbiditätsfaktoren wie Angst und Depression. Diese können ebenfalls mit der EMDR – Methode entschärft werden.

Interview mit Dr. Francine Shapiro 

Für weitere Erläuterungen zu dieser Therapie lesen Sie: Interview mit Francine Shapiro – Historischer Überblick, aktuelle Themen und zukünftige Richtungen von EMDR. Artikel aus dem Jahr 2009, der die EMDR-Therapie von ihrer Entdeckung bis zu den neuesten Forschungsergebnissen aufgreift.


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Wie läuft eine EMDR-Behandlungssitzung ab?

Die Basis ist eine therapeutische, vertrauensvolle Beziehung. Zunächst wird der Patient systematisch-didaktische über die Erkrankung und die Behandlung informiert. Anschließend wird eine umfassende Anamnese und eine Diagnose gestellt. Dann kann es zu der ersten EMDR-Sitzung gehen.

Das aktuelle Problem wird identifiziert, um an die traumatischen Erinnerungen am Ursprung dieser Symptome oder Schwierigkeiten zu kommen.

Es werden Werkzeuge zur emotionalen Stabilisierung erlernt. Diese können sowohl während der Sitzung, als auch zwischen den Sitzungen eingesetzt werden.

Eine Skala von 1 – 10 kann zur Erfolgskontrolle angewendet werden.

Im EMDR findet ein bewusster Behandlungsprozess statt

Die identifizierten störenden Erinnerungen werden dann während der Sitzungen mit wechselnden bilateralen Stimuli Stück für Stück neu verarbeitet.

Für die Verarbeitung eines Themas können mehrere Sitzungen erforderlich sein. Bei Kindern kann die EMDR-Behandlung je nach Alter in Anwesenheit der Eltern durchgeführt werden.

Der durch die Methode aktivierte psychische Behandlungsprozess ist ein bewusster Prozess. Es entspricht dem, was unser Gehirn natürlich tut, wenn es nicht blockiert ist.

EMDR, Frau, Gesicht, Lichtreflexion, Pexels, (Eugene-Golovesov)

Quelle: Pexels (Eugene-Golovesov)

Zu Beginn bittet der Heilpraktiker den Patienten sich auf die traumatische Erinnerung zu konzentrieren. Dabei sollte er die störenden sensorischen Aspekte (Bild, Ton, Geruch, körperliche Empfindungen), sowie die damit verbundenen negativen aktuellen Gedanken und Gefühle im Auge behalten.

Der Therapeut übt eine Reihe von schnell abwechselnden bilateralen Stimulationen durch. Zwischen jeder Serie sagt der Patient, was ihm in den Sinn kommt. Während der Stimulation muss keine Anstrengung unternommen werden. Das Ereignis entwickelt sich individuell, mehr oder weniger spontan, bei jedem Einzelnen je nach Erfahrung, Persönlichkeit, Ressourcen und Kultur anders. Durch die Abfrage der Bewertungsskala kann die Entwicklung dokumentiert werden.

Der Anwender setzt die Stimulationen so lange fort, bis das belastende Ereignis „entschärft“ wird. Seine Lebendigkeit verloren hat. Dann hilft er dem Patienten, immer noch mit rasch wechselnden bilateralen Reizen, einen positiven, konstruktiven, beruhigenden Gedanken mit dieser Erinnerung zu verbinden. Unangenehme, körperliche Überreste werden beseitigt.

Eine EMDR-Sitzung dauert 60 bis 90 Minuten, in denen der Patient intensive Emotionen durchleben kann. Am Ende der Sitzung spürt er in der Regel eine deutliche Besserung.

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